Christmas Cake und Glitzerschnee"

 von Ursi Breidenbach (Penguin Verlag)

Jenny verbringt eine Woche in Edinburgh, um ihr neues Forschungsprojekt voranzubringen. Doch in dieser Stadt, wohnt auch ihre, ihr unbekannte Großmutter. Ihr Vater möchte keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter haben, doch Jenny ist neugierig auf diesen Teil ihrer Familie. Im Haus ihrer Großmutter trifft sie dann auf Callum. Der kann kaum glauben, dass Jenny ein absoluter Weihnachtsmuffel ist. Beide schließen eine Wette ab, in der Callum Jenny vom Zauber der Weihnacht überzeugen soll. 

Dieses Buch war so absolut Weihnachten, und damit Feuer für meine Weihnachtsstimmung. Ganz viel Herz, Liebe und Weihnachtsgefühl haben die Geschichte rund gemacht. Sowohl Jenny als auch Callum waren total sympathisch und liebenswert. Mir hat auch gefallen, dass es kein großes Drama gab, wie so oft bei Romance. Die Liebensgeschichte war einfach nur superschön zu verfolgen und herzerwärmend. Dennoch gab es genug Spannung, durch die Hintergrundfamiliengeschichte. Für mich ein absolutes Highlight in der Weihnachtszeit. 

"Tödlicher Winter"

von Lioba Werrelmann  (Eichborn-Verlag)
Paul ist zurück in Siebenbürgen in Rumänien. Die schöne und mysteriöse Maia will einfach nicht aus seinen Gedanken fliehen. Doch nun muss er erfahren, dass sie verheiratet ist. Das lässt ihn bei einer Zechrunde mit seinem besten Freund Sorin ein paar unbedachte Dinge sagen. Als Maias Ehemann tot aufgefunden wird, liegt bei der Polizei der Verdacht nahe, dass Paul etwas damit zu tun hat. Aufgrund der eisigen Kälte und des Schneechaos, ist es jedoch nicht möglich, mit Paul die Polizeiwache zu erreichen. So wird er kurzerhand in das Ehegefängnis der alten Burg gesperrt. Hier spielen sich in der Nacht ganz seltsame und mystische Dinge ab. Perfekt, um beim Leser Gänsehaut entstehen zu lassen. Dies ist der zweite Teil der Siebenbürgen-Krimireihe. Man kann ihn aber sehr gut lesen, ohne den ersten zu kennen. Die Stimmung in diesem Buch ist sehr winterlich, mit reichlich Schnee und Kälte. Aber auch mit einer echt spannenden Krimigeschichte mit dem etwas trotteligen Paul Schwartzmüller in einem etwas unheimlichen rumänischen Dorfsetting. Neben der rumänischen Mentalität gibt es auch so einiges über Sagen und Mythen zu erfahren. Und ich muss sagen, dass hat mich doch sehr neugierig auf dieses Land gemacht. Ich hoffe sehr, dass hier noch weitere Teile folgen werden. Dieser Krimi ist genau richtig für kalte Wintertage und zum Einkuscheln auf dem Sofa. 

"Damals waren wir frei"

von Stephanie Jana (Lübbe Verlag)
 

Auf zwei Zeitebenen erleben wir eine Liebe getrennt durch die Mauer. In den 60er Jahren lernt Elly aus Ost-Berlin Uli kennen und verliebt sich unsterblich in ihn. Doch sie ist nicht frei, sondern verheiratet und hat bereits ein Kind. 20 Jahre später lernt die junge Mina den Westberliner Medizinstudenten Jan, im Tanzclub ihrer Familie in Prenzlauer Berg, kennen. Auch hier beginnt eine Liebe die schnell kompliziert wird, da die Mauer die beiden trennt. Für den Leser ist klar, wir befinden und gerade im Jahr 1988 und der Spuk wird bald vorbei sein. Doch das wissen die Protagonisten nicht und so ist ihre Verzweiflung und das Gefühl des Eingesperrt seins sehr präsent und von der Autorin auch gut beschrieben. Neben der erzählten Familiengeschichte erleben wir auch die bekannte Historie vor und um den Mauerfall. Die Ereignisse des Mauerfalls sind sehr berührend und treffend erzählt und haben mir die Tränen in die Augen getrieben. Insgesamt hatte das Buch für mich ein paar kleine Schwächen, der schöne und berührende Schreibstil hat mir jedoch sehr gut gefallen. Die Autorin hat genau den Nerv dieser Zeit getroffen und eine Liebesgeschichte erzählt, ohne kitschig zu werden.  Und besonders fand ich die sehr liebenswert dargestellten Charaktere. Das Setting des Tanzclubs war genau das richtige für diese Story. Wirklich eine tolle Geschichte einer Liebe über die Grenzen hinweg. Bewegend und mit viel Liebe und Tempo erzählt. 

"Man kann auch in die Höhe fallen"

von Joachim Meyerhoff (KiWi-Verlag)
Nach einem sehr unangenehmen Vorfall auf dem Kindergeburtstag seines Sohnes, beschließt Joachim Meyerhoff Berlin hinter sich zu lassen und bei seiner Mutter auf dem Land Ruhe zu finden. Aber auch die täglichen Gewohnheiten und Eigenarten seiner Mutter bringen ihn schnell an seine Grenzen und strapazieren sein gereiztes Nervenkostüm. Doch nachdem er sich in den Tagesrhythmus seiner Mutter eingefügt hat, findet er zur Ruhe und kann endlich wieder schreiben. Er erzählt uns von Erlebnissen seiner Kindheit, aber auch Anekdoten aus seiner Zeit als Schauspieler am Theater. 

Ich habe selten bei einem Buch so gleichermaßen gelacht und geweint. Die Geschichten beginnen mit harmlosen Begebenheiten und schaukeln sich zu teilweise absurden und bizarren Ereignissen hoch. Auch die Figur der Mutter ist unglaublich liebenswert dargestellt, hat aber auch etwas skurril-Komisches an sich. Wie er in der mütterlichen Ordnung zu sich selber zurückfindet, hat mich sehr berührt. Und in einige der Szenen konnte ich mich sehr reinfühlen. Besonders in das Streben danach in seinem Leben alles in Ordnung zu halten und die Panik, wenn das Chaos über einem hereinbricht. Dies war bisher mein erstes Buch des Autors, aber es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. Ich habe die Reise durch seine Anekdoten sehr genossen und bin jederzeit zu einem neuen Abenteuer bereit.

"Die Hofreiterin- Der Traum von Freiheit"

von Franziska Stadler (dtv-Verlag)
In der Spanischen Hofreitschule in Wien werden seit jeher Lipizzaner in der edlen Kunst der Dressur ausgebildet. Die junge Reiterin Irma muss aus der Not heraus ihren geliebten und talentierten Lipizzaner-Hengst Novio dorthin verkaufen. Zur Bedingung macht sie, dass gleichzeitig der junge Konrad als Bereiter in der Hofreitschule ausgebildet wird und nur er Novio reiten darf. Was sie verschweigt, ist, dass sie als Konrad verkleidet diesen Dienst antreten wird. Im Jahr 1898 völlig undenkbar und ein Skandal. Wie lange wird ihre Maskerade halten? Und wer kommt ihr auf die Schliche? 

Wer Pferde mag, wird dieses Buch lieben, denn die kommen hier nicht zu kurz. Ich habe dieses Buch sehr sehr gerne gelesen. Das ganze Ambiente war märchenhaft. Wir begegnen Kaiserin Sisi, erleben die Anmut der edlen Pferde und besuchen den Zirkus Busch. Wir wandeln durch die Straßen Wiens und begegnen dort vielen historischen Persönlichkeiten aber auch fiktiven Charakteren. Wien ist bunt und vielfältig und Irma muss nicht nur ihre Rolle überzeugend spielen, sondern auch manch zwielichtiger Gestalt entgehen. Die Autorin hat mich verzaubert und mir einen sagenhaften Blick in die Welt der Spanischen Hofreitschule ermöglicht. Dies ist der erste Teil einer Dilogie und ich bin sehr gespannt wie sich diese wirklich tolle Geschichte fortsetzt. 

"Rund um Berlin- Einmal um die Stadt in 19 Etappen"

von  Gregor Münch (BeBra Verlag)
Dieses neue wunderbare Buch aus dem BeBra Verlag ließ mein Wandererherz gleich höherschlagen. Wer kann denn schon behaupten einmal, um seine Stadt gelaufen zu sein? Als Berlinerin kann ich nicht mal behaupten schon in jedem Bezirk Berlins gewesen zu sein. Wie der Titel es bereits verrät, ist die Tour in 19 Etappen unterteilt. Die Strecken sind unterschiedlich lang (mal 5-6 km aber auch mal 19-20 km). Denn die An- und Abreise wird mit den Öffis durchgeführt, so dass man auch gut ohne Auto wieder nach Hause kommt. Man kann diese Tour natürlich an unterschiedlichen Punkten beginnen und nach Lust und Laune ablaufen. Während der Wanderung steht einem Onlinekartenmaterial zur Verfügung. Doch wer glaubt nur stupide den ehemaligen Mauerweg abzulaufen irrt glücklicherweise, denn der Autor war sehr darauf bedacht interessante und sehenswerte Ziele in die Strecken einzubauen. Besonders schön finde ich auch wieder die Gestaltung des Buches. Wir haben bereits einige Berlin-Bücher aus dem BeBra Verlag in unserem Bücherregal stehen und ich liebe die fröhlichen Farben und die wunderschönen Fotos. Die Bücher sind ein echter Hingucker. Und vor allem beherbergen sie richtige physische Abenteuer, die man zusammen mit seiner Familie erleben kann. Ich freue mich schon riesig darauf im nächsten Jahr das Projekt „Wir umrunden Berlin“ zu starten. Auf ins Abenteuer! 

"Endlich das ganze Leben"

von Roberta Recchia (Fischer Verlag)

Roberta Recchia zeichnet das Leben einer italienischen Familie, deren Lebensweg sich in ein Vorher und Nachher teilt. Während sich Marisa und Stelvio verlieben und eine Familie gründen erleben sie so manch unschönes Ereignis. Diese gehören zum Leben dazu, beeinflussen und verändern sie, aber lassen sie weiterleben. Doch dann passiert das unfassbare, ihre Tochter Betta wird ermordet. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Der Schmerz zerreißt die gesamte Familie. Ein unbeschwertes Leben ist nicht mehr möglich. Und so hat diese Tat nicht nur ein Leben zerstört, sondern das der ganzen Familie. Neben der sehr vielschichten und dramatischen Geschichte, hat mich besonders der Schreibstil von Roberta Recchia beeindruckt. Sie schreibt in ruhiger, aber mitreißender Art und Weise. Ihre Figuren sind charismatisch und selbst die Nebenrollen sind mit Leben gefüllt. Dem Leser bleibt nichts verborgen und beim Eintauchen in die Figur wird einem die ganze Tragweite dessen Handlung bewusst. Der Schmerz den Marisa und Stelvio aushalten müssen ist so intensiv, dass ich ihn fast körperlich fühlen konnte. Ich kann hier nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Ein wirklich sehr berührendes und starkes Buch. In jedem Fall eines meiner Jahreshighlights! 


"Das Kalendermädchen"

von Sebastian Fitzek (Droemer Verlag)
 

Olivia ist verzweifelt auf der Suche nach der leiblichen Mutter ihrer Adoptivtochter Alma. Denn Alma ist schwer krank und benötigt eine Knochenmarkspende. Doch bei ihrer Recherche stößt Olivia auf die urbane Legende vom Kalendermädchen. Eine junge Frau die in einem Haus im Frankenwald gefangen gehalten wird und jeden Tag ein neues Türchen mit enthaltenen Grausamkeiten öffnen muss. Ob die Legende tatsächlich einen waren Kern enthält, und es sich bei dieser Frau um Almas Mutter handeln kann? 

Seit langem hat mich kein Buch mehr so gefesselt wie dieses hier. Es war wirklich spannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Es gab absolut keine Längen, sondern mächtig Tempo. Beim Wechsel der Perspektive wird auch der Leser (wie ich) mit prägnantem Kurzzeitgedächtnis abgeholt. Passend zum Herbst war für mich auch genügend Gruselfaktor dabei. Die Auflösung bot so manche ungeahnte Überraschung und hat mich kalt erwischt. Hier war mal wieder der Meister des Thrillers am Werk. Ich bin einfach nur schwer begeistert und gerade gruselig beseelt. Hut ab Herr Fitzek! 

"Ego oder die Sonne lacht"

von Lea Rohrmoser (Einbuch Buch und Literaturverlag Leipzig)

Puh! Dieses Buch musste ich erstmal sacken lassen. Und ich denke eine Bewertung im klassischen Sinne (also wie ich einen Roman oder Thriller bewerten würde) ist hier nicht möglich. Ich betrachte es eher wie ein Kunstwerk. Wie ein riesiges Wandgemälde, bei dem es an jeder Ecke etwas Neues zu sehen gibt, und deren Interpretation ohne Hilfe kaum möglich ist. Dorothea Born ist Künstlerin und steht am Ende ihres Lebens, dass von Krankheit gezeichnet ist. Die Figuren ihrer Kunstwerke werden lebendig. Und so zeigen uns Lilith, Adam, Rahab und Raphael die Geschichte von Geburt, Leben und Sterben in einer bibelgleichen Weise. Alexander ist eine reale Figur und Galerist. Doch auch seine Realität verschwimmt durch mystische Wesen, die ihn bedrängen und zerreißen wollen. Nun bleibt noch die Frage Gretchenfrage: Wie gefällt das Buch? Und hier muss ich sagen, dass ich staunend davorsaß, was doch mit Sprache alles möglich ist. Das erzählen einer Geschichte und das Transportieren von Gefühlen nicht durch einfache Sätze, sondern durch die Entstehung eines Bildes oder Gesamtkunstwerkes. Es war für mich eine sehr interessante Erfahrung. Und dieses Bild würde ich fasziniert in einem Museum oder einer Kirche betrachten und mich daran erfreuen. Es wäre jedoch kein Bild für mich, dass ich mir im Wohnzimmer über den (nicht vorhandenen) Kamin hängen würde. 

"Der Untergang von Thornton Hall"

von Britta Habekost (Penguin-Verlag)

Sehnsüchtig erwartet Elinda ihren Bruder David am Hafen. Denn der soll an diesem Tag von seiner Kavaliersreise aus Italien zurückkehren. Doch zu ihrem Entsetzen kommt er nicht von Board des Schiffes. Die Lords, mit denen er reiste, sind schwer erkrankt und behaupten ihn in Rom beerdigt zu haben. Neben der Sorge um ihren Bruder kämpft Elinda gegen die Vermählung mit dem widerlichen Andrew Hydeworth, den ihre Eltern für sie ausgesucht haben, da er viel Geld hat und so die verarmte Familie vor dem Ruin retten soll. Doch Elinda ist viel zu taff um sich von anderen unterdrücken zu lassen. Obwohl nicht üblich im Jahr 1789, beschließt die englische Lady sich einem Mann anzuschließen, der ihren Bruder suchen soll. Gemeinsam überqueren sie die Alpen und reisen nach Italien. Dort beginnt ein wildes Katz-und-Maus Spiel mit unbekannten Gegnern. 

Diese Geschichte ist unglaublich vielseitig und hat mich schwer begeistert. In erster Linie ist es ein historischer Roman, der aber auch viele mystische Elemente enthält. Neben einer sehr spannenden Geschichte habe ich so viele Informationen und Eindrücke aufgesogen, dass ich gerade das Gefühl habe von einer Zeitreise wiedergekommen zu sein. Elinda ist mir sehr ans Herz gewachsen und es gab so einige Stellen, an denen ich stark mit ihr mitgefühlt habe. Sowohl Beginn als auch Finale des Buches führen uns bis in die Antike und auf die Spuren von Vergils Aeneis. Für mich war es ein grandioses Leseerlebnis und eine sagenhafte Grand Tour. 

"Paula on Tour- Südamerika II"

"Etappen um die Welt" von Gabi und Frank Wagner (Edition Winterwork)
Ab ging es wieder nach Südamerika mit dem sympathischen Paar Gabi und Frank und ihrem umgebauten Feuerwehrauto Paula. Corona hat die Welt durcheinandergebracht und das Reisen unsicher. Dennoch schaffen es die beiden nach Argentinien, wo sie nach langer Pause ihre Paula unversehrt wieder abholen können. Ihre Reise führt durch sagenhafte Landschaften von Patagonien bis hin in die Antarktis. Die Erzählungen aus diesen Regionen haben mich ganz besonders fasziniert. Weiter geht es an der westlichen Grenze gen Norden. Die Natur und Tierwelt scheinen grenzenlos und beeindruckend zu sein. Gabis Begeisterung für Pinguine, Capybara und Kormorane kann ich nur teilen und sehr gut nachvollziehen. Ich würde sie auch so gerne mal in ihrem natürlichen Umfeld sehen. Wie es auf Reisen auch immer so ist, geht auch bei den beiden nicht alles glatt und sie geraten in so manch abenteuerliche Situation. Doch so taff wie die beiden sind, meistern sie diese Situationen mit Bravour. Gabis Schreibstil ist locker und sehr sympathisch. Auch in diesem Buch starten die Kapitel mit sehr passenden und anrührenden Zitaten. Neben dem Reisebericht erwarten den Leser viele Fakten zu den besuchten Orten. Eingeflochten sind auch E-Mails der beiden die sie an die Daheimgebliebenen verfasst haben. Dadurch fühlt man sich angesprochen und mitgenommen. Also meine Reiselust hat das Buch definitiv geweckt. So einige Orte sind auf meine Reisewunschliste gewandert. Das trübe Wetter ist für mich in weite Ferne gerückt, als ich mit Gabi und Frank Südamerika entdecken durfte. Ich liebe diese Form des Reisens und kann sie nur jedem empfehlen. 

               

"Lückenbüßer"

 von Volker Klüpfel und Michael Kobr (Ullstein-Verlag)

Endlich ein neuer Fall für den kauzigen Kommissar Kluftinger. Dieses Mal kommt das Opfer aus den eigenen Reihen. Bei einer Terrorübung wird ein Kollege tot aufgefunden. Die Mannschaft ist geschockt und beginnt zu ermitteln. Schnell wird klar, dass der Kollege in der rechten Szene unterwegs war. In Kluftis Privatleben geht es auch wieder hoch her. Seine Partei braucht noch einen Kandidaten, um ihre Liste zu füllen. Was für den Kommissar erst eine Gefälligkeit war, schwappt bald in einen erbitterten Wahlkampf um. Denn sein Gegner ist niemand geringeres als sein Erzfeind Langhammer. 

Ich habe es auch in diesem Band wieder geliebt, den schrulligen Kommissar durch seinen Alltag zu begleiten. Das Geplänkel zwischen ihm und Langhammer war wieder sehr amüsant und seine Art sich möglichst einfach durchs Leben zu lavieren hat mich zum Schmunzeln gebracht. Für mich kam in diesem Band der eigentliche Kriminalfall zu kurz. Mir fehlte das Miträtseln und verdächtigen. Leider fehlte es an Verdächtigen und so war das Ende nicht so überraschend. Jedenfalls bezüglich des Mordfalls, privat hat mich Klufti über alle Maßen überrascht, und ich bin sehr gespannt wo das noch hinführt. Mein Fazit: Auch diesen neuen Band der Reihe möchte ich in meiner Sammlung auf keinen Fall missen. Ich habe die Zeit mit Klufti wieder außerordentlich genossen. 


"One of us is back"

von Karen M. McManus (cbj-Verlag) 

Ja einer ist zurück in Bayview. Und das ist ausgerechnet der, der Addy und ihren Freunden so viel Leid angetan hat. Wegen eines Verfahrensfehlers wird er vorrübergehend, bis zum Beginn des neuen Prozesses, entlassen, und versetzt den Bayview Mörder-Club damit in Angst und Schrecken. Wie erwartet kommt es auch gleich auf der nächsten Party zu einer Katastrophe, als eine der Freundinnen plötzlich spurlos verschwindet. Doch war es der bekannte Feind oder steckt doch etwas ganz anderes dahinter? Dies ist der dritte Teil der One of us is lying-Reihe. Bei mir lagen zwischen den Büchern mehrere Monate. Dies hat mich leider, besonders hier im letzten Teil etwas verwirrt. Es gibt zwar am Anfang eine gute Zusammenfassung der Stories aus den anderen zwei Büchern, mich hat jedoch die Vielzahl der Protagonisten, ihrer Familien und ihre Beziehung untereinander etwas überfordert. Vielleicht wäre eine Art Stammbaum im Buch ganz hilfreich gewesen. Die Geschichte an sich hat wieder viel Raum für Spekulationen und Rätselraten geboten. Jedoch gab es für mich keine krassen Überraschungen wie in den anderen beiden Büchern. Dennoch bin ich glücklich diese Reihe gelesen zu haben, da sie wirklich Spannung und Aufregung bietet und richtig gut erzählt ist. 

"Das Wohlbefinden"

von Ulla Lenzen (Klett-Cotta-Verlag) 

Da der Tuberkulose keine modernen Medikamente entgegengesetzt werden konnten, war die wirksamste Therapie das Wohlbefinden der Patienten. Darauf setzten auch die Heilstätten in Beelitz. Hier wurden in erster Linie Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter behandelt. So auch die etwas sonderbare Anna. Von ihr geht eine spirituelle Kraft aus, denn sie kann angeblich die Zukunft sehen. Das verschafft ihr viele Anhänger, besonders auch im Kreise der gehobenen Gesellschaft. Die Schriftstellerin Johanna wird ein regelrechter Fan von Anna. Bis ins hohe Alter kann Johanna nicht von Anna lassen. 

Dieser Roman ist sehr facettenreich und umspannt mehrere Zeitebenen von 1907 bis ins Coronajahr 2020. Die Vergangenheit und Gegenwart spiegeln sich in vielen Parallelen wider. Sehr interessant fand ich das Bohei um den Okkultismus Anfang des letzten Jahrhunderts. Was wohl mal als Zeitvertreib begann, wurde für manch einen zur Religion. Die Protagonistinnen waren mir alle gänzlich unsympathisch. Dennoch waren sie scharf gezeichnet und ihre Geschichte grandios erzählt. Am Ende blieb so einiges offen. Für mich als Leserin ist dies natürlich unbefriedigend. Aber ich habe auch festgestellt, dass mir dadurch diese sehr vielschichtige und zum Teil auch etwas merkwürdige Geschichte nicht mehr aus dem Kopf geht. Für mich klar, ein Buch, dass man nicht so schnell vergisst und das beim Lesen eine gewisse Sogwirkung entwickelt. 

"Ein anderes Leben"

von Caroline Peters (Rowohlt-Verlag)

 

Drei Töchter von drei Männern. Und im Mittelpunkt dieser Familie steht Hanna, die Mutter. Nach und nach hat sie jeden ihrer besten Freunde geheiratet und von jedem ein Kind bekommen. Die Ich-Erzählerin ist das Nesthäkchen und kennt nur ihre intakte Familie mit Hanna und ihrem Papa Bow. Doch auch diese Familie zerbricht an der Unbeständigkeit der Mutter. Den Erwartungen ihrer Ehemänner kann Hanna nicht gerecht werden. Sie ist eine Intellektuelle, ein Freigeist der eigene Wege gehen muss. Familie ist für sie Bedrängung und Einschränkung. Und so ist die gelebte Familie immer nur eine Frage der Zeit. 

An diesem Buch habe ich besonders den Schreibstil genossen. Wilde Gedankenketten wurden zu Bildern, die Empfindungen hervorriefen. Unerwartete Handlungen ließen mich schmunzeln und Hannas unkonventionelle Art war wild und facettenreich. Dennoch muss ich sagen, dass die Geschichte an sich für mich zu wenig Inhalt hatte. Es war eher die Aneinanderreihung von Anekdoten, anstatt einer fortführenden Handlung. Dies war auf die Dauer etwas ermüdend. Ich hatte mir doch ein bisschen mehr von diesem Buch erhofft. Sprachlich jedoch lesenswert. 

"Paula on Tour-Südamerika I"

von Gabi und Frank Wagner (edition winterwork)  

Und weiter gehts mit Gabi und Frank um die Welt. Ich habe mich tierisch gefreut mit ihnen Südamerika bereisen zu dürfen. Und dieses Mal musste ihr umgebautes Feuerwehrauto Paula sogar verschifft werden. Die Reise begann in Uruguay und führte durch Chile, Bolivien und Argentinien. Fasziniert haben mich die doch sehr unterschiedlichen Landschaften. Während die Afrikareise gemessen an der Vegetation doch eher heiß und karg war, so war hier von Wüste bis Dschungel doch alles geboten. Unglaubliche Naturschauspiele wurden eindrücklich beschrieben und haben mir so richtig Lust auf einen eigenen Besuch in Südamerika bereitet. Der Einblick in den Reisealltag der beiden Globetrotter war wirklich sehr inspirierend. Wenn reisen für mich zurzeit selbst kaum möglich ist, so liebe ich es doch sehr mit diesen beiden sympathischen Menschen anhand von Wort und Schrift, durch für mich unbekannte Länder zu reisen und durch ihre Augen Dinge zu erleben, als wäre ich selbst dabei. Paula bietet Gemütlichkeit und Sicherheit und Gabi dreht so manches heikle Ereignis durch ihren Witz und ihre Kreativität zum Guten um. Was kann einem bei dieser traumhaften Reisegruppe schon passieren.  Literarisch bleibt mir noch eine weitere Etappe durch Südamerika. Dann müssen die beiden dringend weiterreisen, denn ich brauche unbedingt Nachschub. Es gibt noch so viel zu sehen, also: Go Paula! 

"Finster"

 von Ivar Leon Menger (DTV-Verlag) 

Seit Jahrzehnten verschwinden immer wieder Jungen im Wald von Katzenbrunnen. Der dreizehnjährige Nikolaus ist das jüngste Opfer des Greifers. Er verschwindet spurlos vom Jahrmarkt in Katzenbrunnen und alle Suchaktionen bleiben erfolglos. Der pensionierte Kommissar Hans J. Stahl findet einfach keine Ruhe. Nach Nikolaus Verschwinden mietet er sich in den Katzenbrunner Gasthof ein und ermittelt auf eigene Faust. Dieses Buch war seit langem mal wieder eines der Spannendsten. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. In diesem Dorf geht so einiges Ungeheuerliches vor sich. Eigentlich hat so fast jeder Bewohner sein dunkles Geheimnis. Und irgendwie ist alles miteinander verwoben. Kurze Kapitel und ständige Perspektivwechsel bringen ordentlich Tempo in die Story. Und doch stellt man als Leser fest, dass man doch nicht alles weiß, und wird am Ende böse überrascht. Genial aufgebaut und großartig gestrickt. Bin echt schwer begeistert und kann den Thriller nur empfehlen. 

"Heinz Labensky- und seine Sicht auf die Dinge"

von Tsokos und Tsokos (Droemer-Verlag) 

Hier erwartet uns mal nicht ein rasanter Thriller, sondern die Lebensgeschichte von Heinz Labensky. Der ist in einem kleinen Ort in Brandenburg aufgewachsen und galt immer als förderunfähig. Oder wie es die Brandenburger sagen würden „zu oft vom Wickeltisch gefallen“. Er sieht die DDR und die Vorgänge die sich in ihr abspielen mit seinen eigenen Augen und lässt uns Leser daran teilhaben. Während er mit nun fast 80 Jahren auf sein Leben zurückblickt, durchreisen wir mit ihm die Vergangenheit der DDR-Geschichte. Denn auf wundersame Weise hatte er doch an so manchem geschichtlichen Ereignis seinen Anteil. Mich hat die Story etwas an Forrest Gump erinnert. Heinz Labensky ist sozusagen der Forrest Gump des Ostens. Liebevoll versucht der kauzige Mann seine Jugendfreundin Rita zu beschützen und gerät dabei in so manch schräge Situation. Ob er RAF-Terroristen zum Müggelsee chauffiert oder mit Paul Enke auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer ist, in alles rutscht er gewissermaßen unverschuldet hinein. Mir hat die Story viel Freude bereitet. An mancher Stelle empfand ich die Szenen etwas zu lang und zu konstruiert. Heinz ist jedoch ein sympathischer und liebenswerter Typ und seine Geschichte wirklich filmreif. 

"Generation Angst"

 von Jonathan Haidt (Rowohlt-Verlag)
 

Die Generation Z ist die erste Generation, die mit digitalen Medien aufgewachsen ist. Zu beobachten ist der krasse Gegensatz zwischen der völligen Überbehütung in der realen Welt und der grenzenlosen Freiheit im Internet. Während die Kinder heute nicht mal allein kürzeste Wege ohne elterliche Aufsicht laufen dürfen, werden die Gefahren denen sie im Internet ausgesetzt sind oft unterschätzt. Das Internet ist für Erwachsene entwickelt worden. Kinder müssen den richtigen Umgang damit erst lernen und sie müssen von dem ferngehalten werden, was sie verstören, ängstigen oder sogar süchtig machen kann. Jonathan Haidt zeigt in seinem Buch, belegt durch viele Studien, wie sich die psychische Gesundheit der Jugendlichen in den letzten Jahren stark verschlechtert hat. Welche neuen Gefahren wie das Cybermobbing hinzugekommen sind, die von Eltern oft nicht gesehen werden. Er beschreibt, wie wichtig die einzelnen Entwicklungsschritte sind, damit Kinder und Jugendliche für die reale Welt gestärkt werden. Hier wurde das freie Spiel jedoch immer weiter eingeschränkt und reglementiert. Gleichzeitig wird den Kindern digital eine Welt eröffnet die sie so noch gar nicht begreifen können. Durch dieses Buch hatte ich viele Aha-Erlebnisse.  Seine Kinder von Smartphones fernzuhalten ist sicher nicht der richtige Weg. Die Kinder jedoch anzuleiten und auf ihren Streifzügen durch das Internet zu begleiten auf jeden Fall ratsam. Im letzten Teil des Buches erhält man viele sinnvolle Tipps, die dabei unterstützen können. Wobei diese hauptsächlich auf amerikanische Kinder zugeschnitten sind, da ich denke, dass in Deutschland der Trend zwar ähnlich jedoch schwächer ausgeprägt ist. Dennoch kann ich das Buch nur allen Eltern empfehlen. Und nicht erst bei der Überlegung, ob das Kind ein Smartphone erhalten soll, sondern bereits vorher. Denn die Ausführungen zur kindlichen psychischen Entwicklung fand ich wirklich sehr gut erklärt und überzeugend. 

 „Paula on Tour- Etappen um die Welt-Westafrika“ 

von Gabi und Frank Wagner (Winterwork)
 

Gabi und Frank waren mir bereits von Seite eins ab sympathisch. Deshalb habe ich mich nur zu gerne literarisch mit in ihr umgebautes Feuerwehrauto „Paula“ gesetzt und bin zusammen mit ihnen durch Westafrika gereist. Marokko, Mauretanien, Senegal, Gambia, liegen auf Gabis und Franks Reiseroute und in jedem Land müssen sie sich auf neues Spannendes einstellen. Sie treffen die unterschiedlichsten Menschen, manche selbstlos, freundlich und zugewandt andere ausgefuchst und gewieft. Und doch nehmen sie jeden wie er ist und wissen sich zu wehren. Über so manch guten Schachzug von den beiden musste ich wirklich schmunzeln. Auch die Landschaft hat ihre einzigartigen Besonderheiten von brütender Hitze und Sand, soweit das Auge reicht bis hin zum schillernden Meer. Dieser Reisebericht hat neben gut dosierten Fakten, viel Witz und Charisma. Zitate am Kapitelanfang sind weise gewählt und haben mir teilweise die Tränen in die Augen getrieben. Die Kapitel sind kurz und dadurch von sehr angenehmem Tempo. Und da Gabi Frank auch kulinarisch bei Laune halten musste, finden wir am Ende als kleine Überraschung noch zwei Rezepte. Zum Schluss wird dieser wundervolle Reisebericht noch mit tollen Fotos ausgeschmückt. Es bietet sich an diese bereits beim Lesen zu konsumieren. Das hat für mich das Leseerlebnis richtig rund gemacht. Mich hat die Reise mit den beiden wirklich begeistert und ich freue mich schon sehr auf weitere Etappen um die Welt mit Gabi, Frank und Paula. 

"Don't kiss Tommy"

von Theresia Graw (Ullstein-Verlag)
 

Endlich ist der furchtbare Krieg beendet. Die Menschen in Bad Oeynhausen atmen auf. Doch nur für kurze Zeit. Dann übernehmen die Briten als Besatzer die Stadt. Die Bewohner des Stadtzentrums werden aus ihren Häusern vertrieben und die Innenstadt als Sperrzone ausgewiesen. Anne hatte große Pläne mit dem Kurhotel ihrer Eltern, nun muss sie zusehen, wie die „Tommys“ daraus ihren Victory Club machen. Sie selbst darf nur noch Gast in der eigenen Stadt sein. Ihre Freundin Rosalie hat alles verloren und versucht sich allein durchzuschlagen. Sie sieht die Briten eher als Sprungbrett in ein besseres Leben. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen wird. 

Es brauchte nicht viele Worte, schon war ich komplett in der Geschichte versunken. Auch in ihrem neuen Buch ist es Theresia Graw erneut gelungen eine vergangene Zeit mit viel Gefühl und historischem Hintergrund wieder aufleben zu lassen. Die Charaktere haben so viel Persönlichkeit und Facettenreichtum, dass sie einem unglaublich echt vorkommen. Was mich besonders beeindruckt hat war das Eintauchen in die Denkstruktur der Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg. Das im Kopf befreit sein vom Hitlerdeutschland war keine Selbstverständlichkeit. Gram und Unverständnis über die Niederlage waren fühlbar, aber auch der Hass auf die Besatzer und die Scham weggeschaut zu haben. Die Erkenntnis durch Unterlassung oder sogar Sympathie für die Ideologien Nazideutschlands eine Mitschuld am Tod von Millionen von Menschen zu haben musste erst in vielen reifen. Dieser Prozess ist mir bisher in historischen Romanen noch nicht begegnet und ich fand diese Darstellung sehr gelungen. Die beiden Freundinnen Anne und Rosalie habe ich sehr ins Herz geschlossen und habe ihren Mut und ihre Tatkraft bewundert. Dieses Buch ist auf jeden Fall für mich jetzt schon ein Jahreshighlight. 

"Berlin mit der U2 entdecken"

von Harald Neckelmann (Bebra-Verlag)
 

Auf nach Berlin! Oder verbringt ihr euren Urlaub zu Hause in Berlin und wollt mal runter vom Balkon. Dann ist dieses Buch einfach perfekt für ein Berlin-Abenteuer. Man wähle einfach die U-Bahnlinie 2 und lasse sich von diesem tollen Buch an jeder Station in neue Welten entführen. Die U-Bahn fährt von Ruhleben nach Pankow, einmal durch die Mitte der Stadt. Also warum im dunklen sitzen, wenn man auch aussteigen kann und so viel neues entdecken darf. Obwohl ich mir einbilde als Berlinerin ziemlich viel zu kennen, konnte mich Harald Neckelmann überzeugen. Hier gibt es Stationen, die ich noch nie von oben gesehen habe. Und dort verbergen sich wirklich sehenswerte, zum Teil auch skurrile oder kulinarische Genüsse. Das Buch punktet bei mir auch mit vielen Bildern, geschichtlichen Hintergründen und den kurzen, aber knackigen Kapiteln. Wer Berlin kennt, der weiß, dass man manchmal nur um eine Ecke biegen muss oder durch eine Toreinfahrt laufen und schon eröffnet sich einem eine neue Welt. So kam es mir auch beim Lesen dieses Buches vor. Ich bin ganz begeistert und hoffe das noch viele weitere Bücher dieser Art folgen werden, denn U- und S-Bahnlinien gibt es in Berlin ja genügend. Also rein in die U-Bahn und nächster Halt: Abenteuer! 

"Die Zuckerbaronin- Gwendolyns Hoffnung"

von Martina Sahler und Heiko Wolf (Lübbe-Verlag)  

Was für ein schönes Wiedersehen mit Gwendolyn und ihren Schwestern! 1911 stirbt Alexanders Vater der Inhaber der Donau Zucker AG und hinterlässt sein Zuckerimperium. Mit Gwendolyn als Schwiegertochter war er nie so richtig einverstanden, doch nun erweist sie sich als wertvoll für das Unternehmen, denn Alexander macht eine schwere Zeit durch. Gwendolyns Schwester Martha dagegen, fühlt sich nach wie vor von der kleinen Schwester verraten. Das Saccharin- Schmuggelunternehmen, dass der verstorbene Vater aufgebaut hat, steht im starken Gegensatz zur Zuckerindustrie. Martha bleibt stur und möchte sich nicht versöhnen, doch das Leben hat andere Pläne. Ich habe auch den zweiten Teil der Zuckerbaronen richtig gerne gelesen. Die Autoren schaffen es diese Zeit so eindrücklich aufleben zu lassen, dass man die Gegenwart vergisst. Neben den wirklich interessanten Hintergründen um den Kampf um das süße Gold, sind die Beziehungsgeschichten zwischen den Protagonisten herzerwärmend. Martha ist ein wilder unruhiger Geist, während Gwendolyn überlegt und ruhig agiert. Diese Mischung bringt Tempo und Spannung in die Geschichte. Zudem fand ich die Schmugglertricks wirklich einfallsreich und witzig. Auch die Nebenhandlungen haben die Geschichte sehr mit Spannung bereichert, ohne sie unübersichtlich zu machen. Wer gerne historische Romane liest, wird die Geschichten um die Zuckerbaronin lieben. 

"Sonnenküsse"

von Svenja Lassen (Blanvalet-Verlag)
Vor zwei Monaten ist Alines Mutter an Krebs gestorben. Nun ist sie damit beschäftigt die Wohnung in Bochum aufzulösen. Dabei stößt sie auf alte Briefe, die an ihre Mutter gerichtet sind. Sie beginnt zu recherchieren und glaubt ihren Erzeuger in Flensburg ausfindig gemacht zu haben. Da ihre Mutter ihr diesen bis zu ihrem Tod verschwiegen hat, möchte sie ihn nun kennenlernen. In Flensburg soll er eine Brauerei betreiben. Doch als sie dort ankommt, findet sie statt ihrem Vater seinen Kompagnon Tom in der Brauerei vor. Und der verzaubert sie sofort. 

Ich bin froh, dass ich mit diesem Roman bis zum Sommer gewartet habe, denn er passt perfekt in diese Jahreszeit. Obwohl ich die Story um die krebskranke Mutter gerade nicht gebraucht habe, hat es mir die Lovestory sofort angetan. Es ist total angenehm die Geschichte zwischen Tom und Aline zu verfolgen. Alles wirkt so natürlich und nicht wie so oft in diesem Genre schmalzig und völlig überzogen. Sommer, Sonne, Surfbrett und Strand sind auch mit dabei und zaubern das richtige Urlaubsgefühl hervor. Ich habe mich beim Lesen so richtig wohl gefühlt und habe mich an die Flensburger Förde entführen lassen. 

"Der Wind kennt meinen Namen"

von Isabel Allende (Suhrkamp-Verlag)
 

In Isabel Allendes neustem Buch durchreisen wir mehrere Zeitebenen und so auch die Geschichten verschiedener Menschen, die sich jedoch ineinander verweben. Zentrales Thema ist die Flucht und insbesondere ihre Auswirkung auf die Kinder. So lernen wir Samuel kennen, der 1938 aus Nazi-Österreich durch einen Kindertransport nach Großbritannien gerettet wurde, jedoch auch schwer traumatisiert. Sowie auch Anita die mit ihrer Mutter aus Südamerika fliehen muss da ihr Leben dort bedroht wird und dann auf grausame Weise an der Grenze zu den USA von ihrer Mutter getrennt wird. Wie immer hat mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Die Geschichte wird trotz ihres schweren Themas auf leichte Weise erzählt, durchsetzt von spirituellen Geistergeschichten wie man es von Isabel Allende gewohnt ist. Dennoch muss ich sagen, dass es nicht unbedingt mein Lieblingsbuch von ihr werden wird. Es hat mir gut gefallen und ich finde es großartig, dass dieses wirklich menschenverachtende Vorgehen der USA thematisiert wird. Mir waren es dann jedoch zu viele unterschiedliche Perspektiven, Geschichten und Personen. Mancher Nebenschauplatz war für mich weniger interessant und lenkte vom Hauptthema ab. Und doch denke ich, dass es ein Buch sein wird, dass ich so schnell nicht vergessen werde. 

"Die Burg"

von Ursula Poznanski (Knaur-Verlag)
 

Der Milliardär Nevio hat keine Kosten gescheut, um aus der alten Burg Greiffenau eine sagenhafte Eventlocation zu erschaffen. In den unterirdischen Labyrinthen der Burg wurden Escape Rooms eingebaut, die mit riesigen LED-Bildschirme gesteuert von einer KI gewünschte Szenarien kreiert. Um seine Burg zu promoten hat er Testpersonen eingeladen, die hier ein spektakuläres Abenteuer erleben sollen. Doch etwas geht schief. Die KI lässt sie nicht mehr aus ihren Fängen und beginnt ein perfides Spiel mit den Spielenden zu treiben. Mittlerweile hatte ich mehrere eher durchwachsene Rezensionen zu diesem neusten Buch von Ursula Poznanski gelesen. Hauptsächlich wird hier mit ihren früheren Werken verglichen. Ich hatte bisher erst ein Buch der Autorin gelesen, dass mich leider nicht überzeugen konnte. Ich wollte ihr also mit diesem Buch noch einmal die Chance geben mich zum Poznanski-Fan zu machen. Und ich muss sagen, dass hat sie geschafft. Ich habe das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen können. Die Mischung aus düsteren Szenarien und die Geheimniskrämerei mancher Protagonisten haben es echt zum Pageturner gemacht. Zudem bin ich ein Escape-Room Fan und konnte mich in das Rätselfieber der Charaktere total reinempfinden. Das war mal wieder ein Buch, dass ich innerhalb von zwei Tagen gelesen hatte. Einfach großartig! Bleibt jetzt nur die Frage, welches Buch der Autorin ich unbedingt als nächstes lesen sollte? 

"Das Jahr ohne Sommer"

von Constanze Neumann (Ullstein-Verlag)
Die Ich-Erzählerin ist noch klein, als ihre Eltern die Flucht aus der DDR wagen. Diese misslingt, und so verbringt die Kleine zwei Jahre ihres bisher kurzen Lebens bei ihrer Oma in Leipzig. Die Eltern werden aus dem Gefängnis freigekauft und dürfen ausreisen. Das Kind wird kurz darauf nachgeholt. Es beginnt ein neues Leben, tief im Westen, zwischen Euphorie, Freiheitsgefühl, Fremdheit und Sehnsucht. Getrennt von der geliebten Leipziger Oma, mit einer an Leib und Seele erkrankten Mutter versucht das Kind im fremden Rheinland Fuß zu fassen. Doch die Vergangenheit lässt die Familie nicht los und legt sich wie ein eiserner Vorhang um die Herzen. Das Buch ist mit knapp 200 Seiten recht kurz, und doch hätte ich Constanze Neumann ewig weiter zuhören können. Diese Geschichte ist mit wenigen Worten so prägnant erzählt, dass sie sich tief in die Seele eingräbt. Die Flucht aus der vermeintlichen Enge führt zur äußerlichen Freiheit und inneren Enge. Bildhaft prägnant dargestellt ist die Moll-Welt der Mutter in ihrer Schwere. Während der Vater laut und kraftvoll durch seine Dur-Welt tobt. Dazwischen das Kind, dass versucht sich in der neuen Welt zurechtzufinden, traumatisiert durch die Flucht und Trennung von geliebten Menschen, wird sie in der neuen Welt wegen ihres Dialektes verhöhnt, den sie versucht abzudecken wie einen Pickel. Eine unglaublich eindrucksvoll auf den Punkt gebrachte Ost-West-Geschichte, wie sie für so viele in unserer Gesellschaft steht. Unsere Generation muss verstehen lernen, und hoffen, dass nächste Generationen unbeschwerter aufwachsen dürfen und Ost und West nur noch Angaben auf der Landkarte sind. 

"Verborgen"


 von Eva Björg Ægisdóttir (KiWi Verlag)
 

In dem kleinen beschaulichen Ort Akranes brennt das Haus einer vielköpfigen Familie. Bei den Löscharbeiten wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der ganze Ort ist erschüttert, besonders als herauskommt, dass er wohl schon vorher ermordet worden ist. Elma und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf. Es entspinnt sich eine Geschichte voller Lug und Trug. Niemandem kann dem anderen trauen und was nach außen hin perfekt aussah, entpuppt sich im Innern als verfault und übel. Elma bleibt hartnäckig, obwohl sie doch selbst in ihrem Privatleben ziemlich im Umbruch ist. Dies ist der dritte Teil der Island-Krimireihe. Ich war wieder begeistert von dieser ruhigen, aber mystischen Stimmung, die hier aufgebaut wird. Aktion und Tempo sucht man hier vergebens. Die Figuren werden vorsichtig und zart aufgebaut, bis man denkt man würde sie verstehen und dann zeigen sie doch plötzlich ganz andere Seiten. Sind ganz anders als gedacht und überraschen einen ungemein. Die Gespräche sind unaufgeregt und ruhig und zwischen den Zeilen doch so voller Emotionen. Ich liebe diese Erzählkunst und lasse mich sehr gerne auch ein viertes Mal in die wundersame isländische Welt entführen. 

 

"Mutternichts"

von Christine Vescoli (Otto Müller Verlag)
 

Die Mutter ist der Mensch, mit dem man sich einen Körper geteilt hat, aus deren Zellen sich die eigenen geformt haben. Sollte es dann nicht auch der Mensch sein, den man am besten kennt? Dem man sich am nächsten fühlt, verstanden und vertraut? Christine Vescoli kennt dieses Gefühl nicht. Denn ihre Mutter hat zeitlebens geschwiegen. Wollte ihre eigene Geschichte nicht preisgeben. Die Fakten ja, die sind bekannt. Als Kind einer armen Familie wurde die Mutter als Vierjährige weggegeben. Sie kannte sie nur die Arbeit und die hartherzige Bäuerin auf deren Hof sie gebracht wurde. Ihr Eltern bekamen weitere Kinder, aber alle außer ihr durften bleiben. So grausam und unverständlich, wie dies für den Leser ist, so unbegreiflich ist es auch für die Tochter. Und sie hat Fragen an ihre Mutter, doch die schweigt. Die Autorin möchte dieses Schweigen überwinden, möchte die Geschichte der Mutter verstehen, um sich auch selbst verstehen zu können. Der Text ist zart und poetisch, mit leisen Tönen, die jedoch in die Tiefe gehen und erschüttern. Fragen über den Sinn dieses Lebens kommen auf und werden mit tiefer Religiosität beantwortet. Als hätte das Leiden seine Berechtigung in der Nähe zu Gott. Hier zu begreifen, fällt auch mir schwer. Und so kann nichts anderes getan werden, als die lebenden Mütter zu fragen, denn die toten werden nicht mehr antworten. 

"Instinct"

von David Gray (Piper-Verlag)
 

Thriller steht drauf, aber so viel mehr steckt drin, denn das Setting ist recht außergewöhnlich. Wir befinden uns in Europa, 100 Jahre in der Zukunft. Die Klimakrise wurde mit harten Bandagen bekämpft. Nachdem alle neuen Technologien nicht den erwünschten Erfolg gebracht haben, wurden als Lösung riesige Gebiete bewaldet. Zurück zum Ursprung, hin zur Erschaffung der irdischen, grünen Lunge. Elena ist als Waldhüterin angestellt und liebt ihren Job. Doch als Teamleiterin hat sie es mit den männlichen Kollegen schwer. Als sich bei ihren Kontrollen plötzlich seltsame Spuren finden, beschließt Elena der Ursache auf den Grund zu gehen. Mit einem kleinen Team begibt sie sich in die Tiefe des Waldes. Was ihnen dort jedoch begegnet ist erschreckend und grausam. Dieses Buch war für mich ein Experiment, da ich mit der Einstufung „Ökothriller, Science-Fiction“ nicht so richtig etwas anfangen konnte. Ich wurde in jedem Fall positiv überrascht. Die Geschichte war fesselnd und hat ziemliches Kopfkino bei mir ausgelöst. Immer wieder dachte ich: Kann man daraus bitte einen Film machen!“ Das Tempo ist rasant, das Setting spektakulär und die Aussage der Story überraschend und doch so alt wie die Menschheit. Vom Sofa aus, bin ich mit Elena durch den Wald geflohen, auf der Suche nach Unterschlupf und Rettung. Und mit der verzweifelten Frage: Was ist das, und wo kommt es her? Um dann am Ende die Erkenntnis zu erlangen: Als Frau kenne ich das nur zu gut und erlebe es ständig. So hat die Elena im Wald mit mir viel gemeinsam. Und das erschreckt mich! 

"Glückstöchter- Einfach Lieben"

von Stephanie Schuster (Fischer-Verlag)

Dies ist der zweite Band der neuen Dilogie von Stephanie Schuster. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen. Ihre Geschichten spielen in zwei verschiedenen Zeitzonen. Anna ist eine junge Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts beschließt ein autarkes Leben hoch oben auf einer Alm zu führen. Alles, was ihr zur Nahrung dient, hat sie dem kargen Boden selbst abgetrotzt. Ihr Glück findet sie als ihr Geliebter Benni sich entschließt, zusammen mit ihr diese karge, einfache Leben zu führen. Eva ist junge Studentin der Pharmazie und lebt in einer wilden WG im München der 70er Jahre. Ihr bestreben ist zurück zur Natur. Aus dem Müsliverkauf auf dem Wochenmarkt wird die Idee geboren einen eigenen Bioladen zu eröffnen. Die beiden Frauen verbindet jedoch mehr als der Hang zum einfachen natürlichen Leben, den ihre beiden Leben sind auch familiär miteinander verbunden. 

Auch der zweite Teil hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn meine Sympathie in diesem Band eher bei Anna lag. Es war sehr interessant zu sehen, wie wenig eigentlich nötig ist, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Eva repräsentiert schon eher die Frau der Gegenwart und hier sind mir die ganzen Überlegungen, ob der ein oder andere Weg besser für die Umwelt ist, einfach zu verworren. Wer überblickt heute schon noch den Herstellungsprozess eines Lebensmittels oder eines Kleidungsstücks? Der Weg zurück zur Natur ist halt umso schwerer, je weiter wir uns davon entfernt haben. 

"Sturmmädchen"

von Lilly Bernstein (Ullsteinverlag)

Nach der Machtergreifung der Nazis verändert sich auch plötzlich die Freundschaft der drei Freundinnen, Käthe, Margot und Elli aus der Eiffel. Frisch der Schulzeit entschlüpft schauen sie begierig auf ihr zukünftiges Leben. Doch Margot ist Jüdin und Elli hat eine körperliche Beeinträchtigung. Keine Voraussetzungen für eine strahlende Zukunft in Nazideutschland. Käthe dagegen stand immer auf der Schattenseite des Lebens. Doch seit sie viel Unterstützung und Aufwind im nationalsozialistischen Frauenbund findet, gerät sie in einen Interessenkonflikt. Die Zeiten für Elli und Margot werden dunkler und bald geht es nur noch um das pure Überleben. 

Die Geschichte hatte mich von der ersten Seite an gefesselt. Zum Schluss habe ich (trotz Arbeit am nächsten Morgen) die halbe Nacht durchgelesen, weil ich das Buch einfach nicht mehr weglegen konnte. Und dies ist mir schon sehr lange nicht mehr passiert. Die Worte der Autorin sind voller Emotionen und doch mit ernstem Hintergrund, basierend auf historischen Fakten und mit so viel Empathie geschrieben, dass mich diese Geschichte tief berührt und erschüttert hat. Die Figuren sind klar gezeichnete, individuelle und lebensechte Persönlichkeiten, deren Handlungen auf sehr gute Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen der Autorin schließen lassen. Das Buch hat mich gleichermaßen verstört und begeistert. So manche Szene hat sich nachhaltig in meine Erinnerung gebrannt. Für solch herausragende Geschichten opfere ich gerne jederzeit meine Nächte. Für mich ist es jetzt schon definitiv ein Jahreshighlight. 

"Paris Requiem"

von Chris Lloyd (Suhrkamp-Verlag)
 

Paris im Jahr 1940. Die Nazis beherrschen die Stadt. Für Inspecteur Eddie Giral ist das Leben nicht mehr, wie es mal war. Als eine Leiche in einem geschlossenen Jazzclub gefunden wird nimmt er die Ermittlungen auf, wird aber immer wieder von unterschiedlicher Seite daran gehindert. Mit Zwirn wurde der Leiche der Mund zugenäht, was darauf hindeutet, dass hier jemand etwas zu erzählen hatte. Umso tiefer Eddie in den Sumpf abtaucht, umso gefährlicher wird es für ihn. 

Ziemlich düster kommt dieser Krimi daher. Die Pariser sind noch gezeichnet durch die Schrecken des Ersten Weltkriegs und müssen nun bereits die nächste Besatzung hinnehmen. Auch die Besatzer sind nicht alle durchschaubar und einig. So kommen viele verschiedene Gruppen und Strömungen zusammen mit unterschiedlichsten Interessen. Leider habe ich beim Lesen dadurch öfter den Faden verloren. Die Stimmung wurde gut rübergebracht und hat mir gefallen. Die Story an sich hatte für mich jedoch zu wenig Spannung und wenig überraschende Wendungen. Die Protagonisten wirkten unnahbar und etwas farblos. Also dies war leider kein Highlight für mich.