"Die Frau mit dem Arm"

 von Andreas Dorau und Sven Regner 

Als ich las, dass Sven Regner ein neues Buch geschrieben hat, war für mich gleich klar: Das muss ich lesen! Denn ich liebe seinen unverwechselbaren Schreibstil, die sezierenden Gedankengänge und den trockenen Humor. Jedoch muss ich gestehen: Andreas Dorau, kannte ich nicht. Dachte ich zumindest. Dafür kenne ich ihn nach dieser Lektüre nun um so besser. Denn das Buch handelt von ihm. Genauer gesagt ist es bereits der zweite Teil seiner Biografie. Band 1: „Ärger mit der Unsterblichkeit“ ist offensichtlich im Neuerscheinungsdschungel an mir vorbeigegangen. Andreas Dorau scheint ein sehr außergewöhnlicher, kreativer und umtriebiger Mensch zu sein. Als Opfer langweiliger Führungsseminare würde ich ihn definitiv als „gelben“ Persönlichkeitstyp einordnen. Er sprudelt geradezu über vor neuen Ideen und versucht andere davon zu überzeugen und mitzureißen. Nicht immer sind diese Versuche von Erfolg gekrönt. Was zumindest für mich als Leser sehr amüsant war. Man hat fast den Eindruck in seinem Leben reiht sich eine Anekdote an die nächste. Ihn als Musiker zu bezeichnen ist wahrscheinlich zu wenig gesagt, denn seine kreative Arbeit reicht viel weiter und zieht sich durch viele künstlerische Bereiche. Unverkennbar war in den Geschichten jedoch auch der unverwechselbare Stil von Sven Regner. Ich konnte förmlich seine Stimme hören, wie er einfache alltägliche Dinge so auf den Punkten brachte, dass sie zur Lebensweisheit mutierten. So habe ich tatsächlich aus der Biografie eines anderen, etwas für mein eigenes Leben mitgenommen. Ein amüsantes Buch über eine sehr interessante Persönlichkeit. 


„Die Unverbesserlichen“ 

von Volker Klüpfel und Michael Kobr

Mitten im Urlaubsparadies der Reichen, an der südfranzösischen Mittelmeerküste, hat Monsieur Lipaire seinen Lebensmittelpunkt gewählt. Er selbst hat es im Leben weder zu Ruhm noch Reichtum gebracht. Als eine Art Verwalter der Ferienvillen schlägt er sich mit Gaunereien durch. Sein Traum ist der große Coup, der ihn reich und unabhängig macht. Doch mit diesem Wunsch steht er nicht allein, denn an der Côte D’Azur gibt es so einige Kleinkriminelle, die ihr Glück suchen. Als ihn das Schicksal einen Toten vor die Füße legt, der eine Adelsdynastie erpresste, springt er voller Elan aufs Trittbrett. Nach und nach gesellen sich zu seiner Gaunerei die schrägsten Typen. Gemeinsam bilden sie ein witzig schräges Gaunergrüppchen die gewieft die Leiche verschwinden lassen und die Fährte nach dem Familiengeheimnis aufnehmen. Bisher haben mir alle Bücher des Autorenduos sehr gut gefallen. Deshalb hatte ich mich auf dieses Buch auch sehr gefreut. Leider muss ich aber sagen, dass ich weder mit der Geschichte noch mit den Protagonisten warm geworden bin. Die Geschichte zog sich hin wie Gummi. Handlungen wurden ausufernd beschrieben und zogen sich seitenlang. Die Gauner sollten sympathisch und niedlich rüberkommen, jedoch konnte ich mich mit ihrer Selbstsucht und ihrem Neid auf die Reichen nicht anfreunden. Mir kamen sie eher wie Parasiten vor, die von dem leben, was sie den Reichen stehlen können. Die Sicht der Bösewichte ist ein interessanter Ansatz für eine Geschichte, ich befinde mich aber dann doch lieber (auch lesetechnisch) auf der anderen Seite. 

"Die Haushälterin"

So düster und gruselig wie das Cover, geht es auch im Inneren dieses Buches zur Sache. Jodi ist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin. Privat ist sie jedoch weniger erfolgreich. Zumindest nach Meinung ihres narzisstischen Ehemannes und herrschsüchtigen Vaters. Während sie sich zwischen Geldverdienen, Kindern, Haushalt und ihrer Rolle als Ehefrau und Tochter förmlich zerreißt, kritisieren alle an ihr herum. Um den Spagat zu schaffen, beschließt sie eine Haushälterin für ihre Eltern anzustellen. Ihre Mutter ist schwer pflegebedürftig und ihr Vater benötigt dringend Unterstützung hat jedoch auch hohe Ansprüche. Auf ihrer Suche nach einer geeigneten Angestellten trifft sie auf Elyse. Eine robuste, taffe Frau Anfang 60. Was zu Beginn als nahezu perfekt anmutet, zerbröselt nach und nach und offenbart ein perfide gesponnenes Netz aus Lügen, Täuschungen und Gier. Joy Fielding ist eine Meisterin in diesem Genre. Aber dieses Buch hat für mich alle bisherigen in den Schatten gestellt. Ich war völlig geschockt und überrascht von den Wendungen und Kniffen. Wie ein Gewitter, baut sich die Story langsam auf. Man sieht schon die dunklen Wolken am Horizont, hat aber überhaupt keine Vorstellung davon was und wie heftig da auf einen zukommt. Alle Anzeichen stehen auf Drama ohne Ausweg. Für mich war dieser Thriller perfekt. Genauso wie ich mir einen Thriller vorstelle: voller Spannung, einer Prise Grusel, Raffinesse und Genialität. Dieses Buch war eines meiner absoluten Highlights in diesem Jahr.

"Keep it simple" 

von Minimal Mimi
Kennt ihr das Gefühl beim Betreten einer Ferienwohnung? Alles ist so unangetastet und rein. Man bestückt die Wohnung mit den paar Dingen, die man in seinem Koffer mitgebracht hat. Und man wohnt dort Tage oder sogar Wochen und vermisst nichts. Alles, was man benötigt, ist da, aber auch nicht mehr. Und jedes Mal im Urlaub denke ich, eigentlich sollte es bei mir zu Hause genauso sein. All der unnütze Kram…kann weg. Und jedes Mal nach dem Urlaub bin ich überfordert mit der Masse an Dingen und der Verwaltung ebendieser. Minimal Mimi hat irgendwann in ihrem Leben einen Schlussstrich unter den ganzen Ballast gesetzt. Sie hat sich von allem getrennt, was sie nicht brauchte und was sie nicht glücklich machte. Zurück blieb eine Wohnung, die so von Klarheit und Einzigartigkeit strahlt wie die erste reine Schneedecke im Winter, die alles zudeckt und uns den Blick für den Horizont schärft. Aber der Minimalismus geht noch weiter und zieht sich durch alle Lebensbereiche. Und dies ist genau das, was uns am Ende endlich zur Ruhe kommen lässt. Wer nicht nur seine materiellen Besitztümer reduziert, sondern auch sein ganzes restliches Leben entrümpelt, hat die Chance zu Ruhe und Klarheit. Ich liebe die YouTube Videos von Minimal Mimi in denen sie uns mit durch ihr Leben und ihre Gedanken nimmt. Und dieses Buch fast für mich diese Videos in Wort und Bild zusammen. Großartig finde ich auch die Rezepte, mit einfachen veganen Gerichten. Endlich etwas, wo ich mal schnell nachschlagen kann. Genauso wie das Rezept für die Deo-Creme, die ich schon seit Jahren benutze. Das Schriftbild und die wunderbaren Fotos lassen schon bei der Betrachtung meinen Herzschlag langsamer werden und der Text ist kurz und prägnant ohne viel drum rum und Geschnörkel. Eben minimalistisch, klar und rein.  

"Up To Date"

von Beth O’Leary 

Es ist Valentinstag und drei Frauen warten aufgeregt auf ihr Date. Nur leider taucht Joseph Carter nicht auf. Das Frühstück wollte er eigentlich mit der Geschäftsfrau Siobhan genießen. Zum Valentins-Lunch war er mit der sportlichen Miranda verabredet und den Abend wollte er mit der schüchternen Jane verbringen. Nicht nur die Frauen auch die neugierige Leserin will natürlich dringend wissen, was hier gespielt wird. Doch Joseph ist ein Mann voller Geheimnisse. Und so lässt er uns lange im Dunkeln über sich und sein Liebesleben. Am Ende kam dann die große Überraschung. Und das hat mich dann auch wieder mit dem Buch versöhnt. Zwischendurch hatte es seine Längen und ich musste es auch mal weglegen. In Ruhe hat es mich aber dennoch nicht gelassen und wurde deshalb ja auch immer wieder vorgeholt. Wir erleben die Story im Wechsel aus der Sicht der drei Frauen und erfahren dabei auch so langsam welches Geheimnis die jeweilige umgibt. Denn so ganz einfach sind ihre Lebenswege bisher nicht gewesen. Und jede hat ihren ganz speziellen Charakter. Manchmal war mir dies aber auch zu plakativ, da die Figuren dadurch sehr klischeehaft wirkten. Dennoch für mich, ein Buch für den gemütlichen Couchsonntag bei Schmuddelwetter. 


"Dieser Beitrag wurde entfernt"

von Hanna Bervoets 

 

Hast du dich schon einmal gefragt wer eigentlich die ganzen Beiträge im Internet überprüft und gegebenenfalls löscht? Nein? Ich bisher auch nicht. Man regt sich auf, warum etwas noch so oder so auf Facebook, Instagram und Co stehen darf. Man versteht nicht warum anderes gelöscht wird. Aber wer diese Entscheidung treffen muss, dass bleibt verborgen. Hanna Bervoets bringt genau jene ans Licht. Kayleigh arbeitet für eine Firma, die das Internet nach unangemessenen Posts durchforstet. Täglich muss sie sich hunderte von Beiträgen und Videos ansehen. Darunter stark verstörende Szenen von Tierquälerei, Kindesmisshandlung, Gewalt, Sex und Terror. Nach und nach dringt die digitale Horrorwelt auch in ihr Leben ein und verändert sie. 

Der Roman ist mit seinen knapp 100 Seiten wirklich kurzgehalten. Erzählt wird er in Briefform, was stilistisch grandios ist und für die Kürze auch machbar. Ich denke jedoch, dass ein bisschen mehr drum herum dem Roman gutgetan hätte. So blieb für mich doch einiges eher vage. Sehr gut fand ich jedoch das Thema des Romans. Das dort, wie in einem Callcenter, Menschen wie du und ich sitzen, die mit allem Abartigen des Netztes tagein tagaus konfrontiert werden, damit sie am Ende des Monats ihre Miete bezahlen können, darüber hatte ich tatsächlich bisher noch nie nachgedacht. Ich empfinde es im Angesicht der so hoch gelobten Digitalisierung als unwürdig und ungehörig. 

"Lügen über meine Mutter"

von  Daniela Dröscher  

Die Autorin Daniela Dröscher nimmt uns mit ins Deutschland der 1980er Jahre. In eine Kindheit im Hundsrück. Ihre Kindheit. Wir finden uns in einer Familie wieder mit einer liebevollen, wuseligen und tatkräftigen Mutter, einem Vater, der sich darüber definiert was andere von ihm denken und Großeltern, die ihre eigenen Vorstellungen vom Leben haben. Und die kleine Ela mittendrin, in ihrem Stufenrock und ihren Barbies und Jessy, dem Nachbarskind, das auch irgendwie mit ihr verwandt ist und nicht so viel Glück im Leben hatte. Zwischen den Eltern herrschen ständige Reibereien. Das primäre Thema: Das Gewicht der Mutter. Wie ein Makel klebt es an der Mutter. Wie eine Schuld. Wie eine schlechte Eigenschaft. Und so dreht sich das Rad zwischen Diäten – und Zeiten ohne Diät. Zwischen den Erzählungen aus ihrer Kindheit, bekommen wir kurze Einblicke in die Gegenwart, in der sie mit ihrer Mutter über die Vergangenheit spricht. Dies schafft noch mehr Nähe zur Geschichte. Und lässt manches im Rückblick auch anders aussehen. 

Mich hat dieser Roman sehr gefesselt aber auch oft wütend gemacht. Diese Reduzierung der Mutter auf ihr Äußeres fand ich schrecklich, und auch wie die Kinder mit hineingezogen wurden in den Ehekrieg. Man spürte deutlich die Liebe Elas zu beiden Eltern und die Zerrissenheit es beiden recht machen zu wollen. Da ich selbst ein Kind der 80er Jahre bin, war vieles für mich sehr vertraut und fühlte sich doch so fern an. Sprachlich und stilistisch hat mich dieses Buch sehr beeindruckt. Diese sehr private Geschichte auf so eine gefühlvolle und doch auch unterhaltsame Art zu erzählen war wirklich großartig. Für mich war dieses Buch definitiv ein echtes Highlight in diesem Lesejahr. 

"Den Tod geerbt"

 

von Helmut Jäger
Es ist Sommer in Ravensburg, als ein Wagen fahrerlos mitten durch die Altstadt brettert und hinein in ein voll besetztes Straßencafé. So beginnt der zweite Teil der Krimireihe um Carl Sopran. Kurz darauf wird er von der Tochter der Wagenbesitzerin engagiert, den diese verschwindet nach dem Unglück spurlos. Seine Nachforschungen führen ihn in die Toskana. An seiner Seite ist Francesca. Ursprünglich gedacht zum Übersetzen, wird sie ihm schnell zur Vertrauten und Ermittlungspartnerin. Und was sie dabei aufdecken liegt tief in der Vergangenheit und ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. 

Für mich war dies der erste Fall mit Carl Sopran, aber bestimmt nicht der letzte. Und ich kann nur hoffen, dass noch viele weitere folgen werden. Die Reise in die Toskana hat mir gezeigt, dass auch an so wundervollen Urlaubsorten, schreckliche Dinge geschehen können, und dass einen die Vergangenheit doch immer wieder einholt. Der historische Hintergrund ist sehr gelungen in die Story eingeflochten. Carl Sopran wirkt als Figur sehr lebensecht, mit Ecken und Kanten. Ein kerniger Typ, der auch seine Schwächen hat und trotzdem sehr sympathisch ist. Francesca ist oft der Gegenpol und die treibende Kraft. Zusammen ergänzen sie sich wunderbar. Seicht ist dieser Krimi bestimmt nicht, hatte er doch einige überraschende Wendungen und einen ernsten Hintergrund. Und neben der spannenden Rätselei ist so noch so viel mehr bei mir haften geblieben, was diesen Krimi für mich so besonders macht. 


"Zwei am Meer"


von Fanny André
 

Dieses Buch ist nicht nur eine wunderbare Sommerreise durch die Normandie und Bretagne, sondern auch eine Reise zu neuen Ufern. Camille und Isabelle haben einen schweren Verlust erlitten. Die 81jährige Camille trauert um ihren Mann und Sohn. Beide hat sie früh verloren und bleibt nun allein zurück. Isabelle, die Ex-Frau ihres Sohnes trifft sie auf dessen Beerdigung wieder. Isabelle muss sich von so vielem Vertrautem verabschieden. Nach einem Burn-out steht für sie ihr ganzes Leben auf dem Prüfstand. Die beiden Frauen beschließen der jeweils anderen ihre Heimat zu zeigen. Dies führt sie nicht nur in ihre Vergangenheit, sondern auch in eine neue Zukunft. Ich habe das Buch, besonders in diesen warmen Tagen des Sommers sehr genossen. Mit Isabelle und Camille habe ich viele unbekannte Speisen probiert, war in Monets Garten und bohrte meine Füße in den Sandstrand des Atlantiks. Ihre Gespräche machten mich nachdenklich und viele Empfindungen konnte ich nachempfinden. Denn der Rückblick auf das bisherige Leben ist in jedem Alter richtig und wichtig, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Trauer ist kein schönes Gefühl, gehört aber zum Leben dazu, und wenn man die Trauer schon durchleben muss, warum dann nicht mit einem lieben Menschen an einem warmen Sommertag an der französischen Atlantikküste. 

Nils- Bis alle tot sind

 von Jürgen Geiger

Die Augen sind der Spiegel zur Seele. Dieses Sprichwort bewahrheitet sich in diesem Thriller auf grauenvolle Weise. So lernen wir Nils kennen. Ein Junge dessen Augen im Moment eines schrecklichen Erlebnisses erstarrten. Seinen Mitmenschen jagt er mit diesem starrenden Blick Angst ein. Er wird gemieden und ausgegrenzt. Und wir begegnen fünf Schülern, die in ihrer jugendlichen Arroganz eine verabscheuenswürdige Tat begehen und selbst Opfer eines Rachefeldzugs werden. Die Morde sind perfide, durchdacht und ausgeklügelt. Keiner gleicht dem anderen und jeder für sich bietet Gruselfaktor mit Gänsehautfeeling. Wir begleiten die Ermittler Julia Kramer und Dennis Lubinski durch die Münchener Schattenwelt. Und wir werden genau wie sie, ein ums andere Mal in die Irre geführt, stehen ungläubig vor den Trümmern und suchen im Wirrwarr den roten Faden. So verschieden die beiden Ermittler auch sind, in ihrem Herzen verschließen sie ein ähnliches Schicksal. 

Schon nach wenigen Seiten hat mich das Buch nicht mehr losgelassen. Es hat Bilder in meinem Kopf entstehen lassen, bei denen ich gerne, wie bei einem Horrorfilm, schnell mal weggesehen hätte. Unvermeidlich sah ich das Unheil herannahen und war dann doch von der Raffinesse der Ausführung fasziniert. Nichts für schwache Gemüter- aber ein Muss für eingefleischte Thrillerfans! 

Es gibt eine einfache Wahrheit: Wenn Sie an das glauben, was Sie tun, können Sie Großes erreichen. Das ist der Grund, warum Ihnen bei der Erreichung Ihres Zieles helfen möchten.

"Rabbits"

 von Terry Miles

R u playing? Muster finden und Diskrepanzen erkennen, dass ist Ks Passion. K ein Mensch ein Buchstabe. In seinem Leben passieren seltsame Dinge, gleich einem Computer Game. Rabbits ist ein Spiel über das man nicht spricht, man spielt es einfach, allerdings im Reallife. Der Spieler wird immer wieder vor Rätsel gestellt die es selbst gilt zu finden und zu lösen, um eine Stufe weiter zu kommen. Und immer stellt sich die Frage: Spiele ich schon? Begleitet wird K von seinen besten Freunden Baron und Chloe. Familie hat er nicht mehr, denn seine Eltern sind bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen. Und so werden Games und besonders Rabbits zu seinem Lebensinhalt. 

Durch die Einstufung des Buches als Thriller, hatte ich irgendwie etwas anderes erwartet. Doch dieses Buch war ziemlich überraschend und abgefahren und für mich schon eher im Bereich Fiction anzusiedeln. Ich fühle mich wie in einem Exitroom. Wenn man glaubte etwas verstanden zu haben, gab es auch schon wieder ein nächstes schräges Ereignis und alles war anders. Leute verschwanden plötzlich, andere tauchten wieder auf und die Wahrnehmung war eine andere. Und kaum hatte man sich in diesem Dimensionsstrang zurechtgefunden war man wieder in einem neuen Level mit anderen Bedrohungen und Zielen. Die Story des Buches ist wirklich schwer zu fassen und zu beschreiben, man muss es selber erlebt haben. Terry Miles hat einen wirklich angenehmen und mitreißenden Schreibstil, mit dem ich mich sehr wohl gefühlt habe. Spannende Szenen hatten Tempo und ständige überraschende Wendungen haben mich durchgeschüttelt. Ein Buch, dass man wirklich einmal erlebt haben sollte. Allerdings mit der Bereitschaft sich auf dieses skurrile Experiment einzulassen. 

"Die Kalte Mamsell"

von Elsa Dix
 

In diesem Cosy Crime geht’s ab auf die Insel, nach Norderney des Jahres 1913. Viktoria ist eine junge Lehrerin mit starken Nerven und dem richtigen Spürsinn. Christian, ein frischer Kriminalassistent und nun auf Norderney beheimatet. Die beiden verbindet ein vergangenes kriminalistische Abenteuer. Und kaum treffen sie wieder zusammen tauchen auch schon die ersten beiden Leichen auf: die Kaltmamsell des Hotels und ein schräger Feriengast werden tot im Eiskeller gefunden. Und Viktoria traut ihren Augen nicht als sie die tote Küchenhilfe näher unter die Lupe nimmt. 

Die Geschichte hat mich gleich total abgeholt. Nicht nur, dass Norderney eine besondere und einzigartige Insel ist, auch das Flair des frühen 20.Jahrhunderts ist deutlich zu spüren. Ich habe die Standspaziergänge mit Viktoria genossen und bin aufgeregt mit Christian nach Helgoland gefahren. Ich war bestürzt über die Wendungen der Geschichte und fasziniert von den damaligen Errungenschaften der Technik. Die Geschichte ist spannend und ereignisreich und das Setting ganz nach meinem Geschmack. Für mich ein Volltreffer unter den Cosy Crimes. 

Auch junge Leoparden haben Flecken

von Andreas Brettschneider
Wenn ich an die Piratengeschichten denke, die ich früher meinem Sohn vorgelesen habe, dann waren Piraten lustige, wilde Männer mit fehlenden Körperteilen, großen schwarzen Hüten, gestreiften Hosen und Augenklappe. Sie sind über die Weltmeere gesegelt mit Schatzkarte und Spaten und haben Kanonen abgefeuert. Nie habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es sie noch gibt, wer sie sind und wie sie leben. In Andreas Brettschneiders Buch lernen wir sie kennen, die heutigen Piraten! Geedi ist erst 15 Jahre alt, als er seinem großen Bruder und Helden Aayan in das Piratenleben folgt. In Somalia herrscht bittere Armut, während nicht weit vor der Küste schwer beladene Frachter mit allem Lebensnotwendigem vorbeifahren. Ab und an wird auch in Somalia mal Fracht abgeladen, doch zumeist nur Müll oder Sondermüll der reichen Länder. Wohlgemerkt sind dies meine Worte, denn das Buch ist nicht anklagend oder belehrend. Es erzählt auf wunderbare Weise die Geschichte von jungen Menschen, die einen Ausweg aus ihrer Perspektivlosigkeit suchen. Trotz der erdrückenden Realität hat dieses Buch auch etwas Märchenhaftes. Das Leben der Piraten ist hart und grausam und doch auch so hoffnungsvoll. Der Perspektivwechsel ermöglicht uns auch einen Blick auf uns selbst, die wir auf der anderen Seite der Bordwand stehen. Mich hat die Geschichte sehr begeistert und in ein paar Jahren wird sie mein Sohn lesen können. Ich bin jetzt schon sehr gespannt ob er sie auch so lieben wird wie ich.